Schwarzer Tee, grüner Tee, weißer Tee

Wird es draußen kälter, ist oft eine Tasse Tee das Mittel erster Wahl. Worin sich die verschiedenen Tees unterscheiden, erfährst Du hier.

 

Chado, wie die Teezeremonie in Japan genannt wird, ist weit entfernt von einem Teebeutel, der schlapp in lauwarmem Wasser treibt, nach viel zu kurzer (oder zu langer Zeit, weil er mal wieder vergessen wurde) aus der Tasse gefischt wird und der nun, ebenso schlapp, auf der Untertasse sein Dasein fristet. Chado, das ist die Kunst, an einem ruhigen Ort in friedlicher Atmosphäre gemeinsam eine Tasse Tee zu genießen und die Hektik des Alltags zu vergessen.

Schon klar, wenn morgens der Wecker klingelt, ist keine Zeit für eine Teezeremonie, da muss es schnell gehen, denn der hektische Alltag beginnt genau jetzt. Dennoch: Tee verdient ein bisschen mehr Aufmerksamkeit. Und zwar mindestens so viel wie Kaffee.

Dem Zufall sei Dank!

Eine Legende besagt, dass der chinesische Kaiser vor rund 5000 Jahren den Tee entdeckte. Der Wind hatte ihm ein paar Teeblätter in sein Wasser geweht und voilà, der Kaiser war beglückt, der Tee war „geboren“.

Laut „Tee Report 2020“ vom „Deutschen Tee und Kräutertee Verband“ ist Tee nach Wasser das beliebteste Getränk weltweit. 2019 wurden allein in Deutschland 68 Liter Tee pro Kopf getrunken, davon 28 Liter Schwarz- und Grüntee und 40 Liter Kräuter- und Früchtetee (5,7 Milliarden Liter Tee insgesamt). Weltmeister im Teetrinken bleiben die Ostfriesen (300 Liter), und zwar weit vor der Tee-affinen Queen (sie bevorzugt übrigens Assam und Earl Grey mit einem Schluck Milch) und ihrem Volk (177 Liter).


Die Teepflanze

Tee stammt von der Teepflanze Camellia sinensis, einem immergrünen Strauch, der zur Gattung der Kamelien zählt und es tropisch warm mag; daher fühlt sich die Pflanze vor allem auch in feuchtwarmem Klima wohl, wie etwa in China, Indien, Indonesien, Japan, Sri Lanka und Taiwan, ist aber auch kühleren Höhenlagen wohlgesonnen. Alle „klassischen“ Teesorten stammen von der Camellia sinensis ab, also schwarzer Tee ebenso wie grüner, weißer Oolong-Tee, gelber Tee oder Pu-Erh-Tee. Die Unterschiede entstehen durch die verschiedenen Anbau- und Verarbeitungsmethoden – und durch die Fermentation. Und wie Kaffee enthalten alle klassischen Tees auch Koffein. Der japanische Matchatee rangiert dabei zum Beispiel auf Platz eins mit rund 64 mg Koffein auf 2 g Teepulver, auf Platz zwei liegt schwarzer Tee (ca. 40 mg pro Tasse), es folgen Oolong-Tee (ca. 30 mg), grüner Tee (ca. 20 mg) und weißer Tee (ca. 15 mg). Kräuter- und Früchtetee haben kein Koffein, da sie auch nicht von der Teepflanze stammen. 


Die Teesorten

Die bekanntesten Teesorten sind:

  • Schwarzer Tee
  • Oolong-Tee
  • Grüner Tee
  • Weißer Tee
  • Pu-Erh-Tee

Daneben gibt es noch unzählige andere „Teesorten“, die nicht vom Teestrauch abstammen, wie Rooibostee (auch Rotbuschtee genannt), Matetee, Honigbuschtee und unzählige Früchte- und Kräutertees.


Schwarzer Tee

Um Tee zu fermentieren, werden die gepflückten Teeblätter in sogenannten Welktrögen ausgebreitet und gut belüftet, sodass die Blätter zu welken beginnen. Maschinen rollen die Teeblätter immer wieder auf, die Zellwände werden aufgebrochen und die in den Teeblättern enthaltenen Zellsäfte und ätherischen Öle werden freigesetzt. Nun folgt die Fermentation: In einer feuchtwarmen Umgebung reagieren die freigesetzten Zellsäfte mit dem Sauerstoff in der Luft und die Blätter verfärben sich dunkel (schwarzer Tee). Anschließend werden die Blätter getrocknet. Beliebte Sorten sind neben Mischungen wie der Ostfriesenmischung Darjeeling, Assam oder Ceylon. Die in schwarzem Tee enthaltenen Gerbstoffe wirken leicht antibakteriell und schmerzlindernd und beruhigen den Magen-Darm-Trakt.

Zubereitung: Frisch aufgekochtes Wasser ist ideal (90–100 °C), die Ziehzeit beträgt 2–3 Minuten, dann ist der Tee anregend. Je länger der Tee zieht, desto intensiver schmeckt er – und desto beruhigender wirkt er auf den Körper.
 

Oolong-Tee

Geschmacklich liegt der chinesische Oolong-Tee (gesprochen: Uhlong) zwischen grünem und schwarzem Tee und wird daher oft als Einsteigertee vom Schwarz- zum Grüntee empfohlen. Oolong-Tee wird halbfermentiert, das heißt, die Fermentation tritt natürlich ein: Die Teeblätter werden in Körben geschüttelt und der austretende Saft oxidiert. Oolong-Tee soll angeblich dabei helfen, Fette besser verdauen zu können. Zudem wirken seine vielen sekundären Pflanzenstoffe antioxidativ, helfen also dabei, freie Radikale im Körper zu binden und so den Alterungsprozess zu verlangsamen. Da Oolong-Tee säurearm ist, ist er magenschonend und gut verträglich.

Zubereitung: Oolong mag heißes Wasser (100 °C) und kann mehrfach aufgegossen werden – und das solltest Du auch machen, denn das Tee-Aroma wird dadurch immer intensiver. Die ersten beiden Aufgüsse ziehen etwa 20–60 Sekunden, die folgenden bis zu 3 Minuten. Das kannst Du so lange machen, bis die Blätter kein Aroma mehr abgeben.

Grüner Tee

Japan und China gelten als Hauptproduzenten von grünem Tee (wie Sencha oder Matcha). Grüner Tee wird nicht fermentiert. Die Teeblätter werden direkt nach der Ernte erhitzt oder gedämpft und dann sofort gerollt. Danach werden die Blätter getrocknet oder über kochendem Wasser geröstet. Die Gerbstoffe in grünem Tee beruhigen Magen und Darm; zudem verhindert sein antibakterieller Effekt Karies. Die in grünem Tee enthaltenen Katechine (natürliche Gerbstoffe) sollen Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen.

Zubereitung: Das Wasser darf nicht kochend heiß sein, sonst wird der Tee bitter und arg herb. Eine Temperatur zwischen 60 und 80 °C ist optimal.


Besonderheit: Matcha

Matchatee, der „Espresso unter den Teesorten“ mit rund 64 mg Koffein auf 2 g Pulver (ein Espresso hat etwa 80 g Koffein) ist ein qualitativ hochwertiger japanischer grüner Tee und eine Besonderheit. Die Teefelder werden drei bis vier Wochen vor der Ernte mit Reisstrohmatten oder Planen beschattet. Die Teepflanze wächst dadurch in die Breite, die Blätter werden dünner und die Nährstoffe wandern in die Stängel. Der Tee ist weniger herb, produziert viel Chlorophyll (daher das schöne intensive Grün), viel Theanin (eine Aminosäure, die für eine zarte Süße sorgt) und Koffein, aber weniger Gerbstoffe. Nur die obersten Blätter werden von Hand gepflückt, kurz gedämpft, von Stängeln und Blattadern befreit und anschließend getrocknet. Die reinen Blätter, die man „Tencha“ nennt, werden dann mithilfe von Mühlsteinen fein vermahlen.

Weißer Tee

Für weißen Tee werden die ungeöffneten Knospen mit ihrem feinen Flaum und manchmal ein paar zarte Blättchen gepflückt, in der Sonne gewelkt und nur wenig verarbeitet, sodass die Blattstruktur weitgehend erhalten bleibt – so auch die weißen Härchen am Blatt, die den Tee weiß erscheinen lassen. Auch weißer Tee enthält Koffein, aber weniger als grüner oder schwarzer, und mehr Katechine als grüner Tee, die antibakteriell und antioxidativ wirken.

Zubereitung: Das Wasser sollte etwa 80 °C haben und der Tee zieht 5–10 Minuten.
 

Pu-Erh-Tee

Die frisch gepflückten Teeblätter (traditionell wird Pu Erh aus alten wild wachsenden Teebäumen gewonnen) werden sehr behutsam behandelt und entweder zum Welken in der Sonne oder an einem gut belüfteten Platz ausgelegt. Danach werden die Blätter in Woks oder Eisenpfannen geröstet. Die Blätter werden nun in Form gepresst und reifen über Jahre natürlich weiter (grüner Pu Erh) oder werden künstlich gereift (dunkler Pu Erh). Grüner Pu Erh schmeckt zart nach Kräutern oder blumig, dunkler Pu Erh leicht herb – keinesfalls säuerlich oder gar muffig. Pu Erh gilt als Fettburner, was aber nie wissenschaftlich nachgewiesen wurde.

Zubereitung: In China wird Pu Erh traditionell „gewaschen“, also zunächst mit heißem Wasser überbrüht, das dann weggeschüttet wird. Nach dem „Waschen“ gießt man den Tee mit kochendem Wasser (ca. 100 °C) auf und seiht ihn nach ca. 15 Sekunden ab. Der Tee kann mehrfach aufgegossen werden, wobei jeder folgende Aufguss 15 Sekunden länger ziehen muss.

Die „anderen“ Teesorten …

… wie Rooibos-Tee, Honigbuschtee, Matetee oder auch alle Früchte- und Kräutertees (aus getrockneten Pflanzenteilen oder Kräutern) sind keine Tees im klassischen Sinn, da sie nicht aus der Teepflanze gewonnen werden. Aber sie sind ebenso lecker, haben ihre Fans und stehen „echten“ Teesorten in nichts nach.
 

Rooibos-Tee

Rooibos-Tee ist sehr beliebt, da er kein Koffein enthält (er ist also ein prima Getränk vorm Schlafengehen) und keine Gerbstoffe. Rooibos (auch Rotbusch genannt) ist sehr mild und schmeckt lecker mit Milch oder Sahne. Der „Tee“ wird aus den Zweigen des in Afrika beheimateten Rotbuschstrauchs gewonnen. Während der Herstellung wird der Rooibos fermentiert und bekommt dadurch seine schöne rote Farbe.

Zubereitung: Rooibostee mit kochend heißem Wasser (ca. 100 °C) aufgießen und etwa 5 Minuten (lieblich) bis 10 Minuten (kräftig) ziehen lassen. Wer es besonders intensiv mag, kann etwa 20 g Rooibosblätter 20 Minuten in Wasser kochen lassen!

Honigbuschtee

Der Honeybushtee schmeckt von Natur aus leicht süßlich, kann warm und kalt getrunken werden und enthält wie Rooibos fast kein Koffein. Der Honigbusch wächst in den Gebirgsregionen in Südafrika und verdankt seinen Namen seinen nach Honig duftenden gelben Blüten. Für die Teeherstellung werden die Blätter und die Zweigspitzen verwendet und natürlich fermentiert (so erhält der Honigbuschtee seine dunkelrote bis goldgelbe Farbe). Danach wird der Tee abgekühlt, gesiebt und sortiert.

Zubereitung: mit kochendem Wasser überbrühen und 5–7 Minuten ziehen lassen.
 

Matetee

Der „Trank der Götter“ (und natürlich auch der Göttinnen!) ist vor allem in Südamerika weitverbreitet und beliebt. Dort gibt es sogar extra Gefäße (Kalebasse), aus denen das koffeinhaltige Aufgussgetränk mit einer Bombilla (einer Art Strohhalm mit einem Sieb am Ende, damit die Teeblätter nicht mit eingesogen werden) getrunken wird. Hergestellt wird Mate aus den Blättern des immergrünen Matestrauchs (ein Stachelpalmgewächs). Für den gerösteten Matetee werden Blätter, Stiele und Triebspitzen über Holzfeuer erhitzt, später weitergetrocknet, heiß geräuchert und danach meist gemahlen. Für grünen Matetee wird der geschnittene Strauch bei 50 °C rund 30 Tage natürlich fermentiert, danach kurz stark erhitzt, weitergetrocknet und zermahlen.

Zubereitung: Den Tee mit ca. 75 °C heißem Wasser aufgießen und nicht länger als 5 Minuten ziehen lassen, sonst schmeckt er bitter.

Tipp: Wie wäre es mal mit einer Mate-Latte anstelle einer Latte macchiato? Tee mit ein bisschen Zucker, Mandel-, Soja- oder Reisdrink verrühren. Oder den Mate-Tee abkühlen lassen, mit Mineralwasser und etwas Zitronensaft mischen, ein paar Eiswürfel rein und als Eistee trinken.
 

Probier Dich einfach mal quer durchs Teeregal durch, da ist garantiert Deine Lieblingssorte dabei. Und so eine Tasse Tee, stilvoll angerichtet, vielleicht mit Kluntjes (Kandis) und etwas Sahne, macht selbst einen tristen Herbsttag ein bisschen freundlicher …

PS: Zum Tee passen auch wunderbar ein paar (selbst gebackene) Kekse.