Die sieben wichtigsten Yogastile im Überblick

„Naja, Yoga ist irgendwie nicht meins“ – diesen Satz hat wohl jeder schon mal gehört oder sogar selbst gesagt. Doch Yoga hat eine zweite, dritte, vierte Chance verdient. Denn zum einen braucht es tatsächlich oft drei bis vier Stunden, um überhaupt herauszufinden, ob die anvisierte Yogastunde die richtige für einen ist (das hängt auch ein bisschen von der individuellen Tagesform ab), zum anderen kann es aber auch sein, dass Dir ein anderer Yogastil einfach mehr liegt – und davon gibt es einige. Und nicht nur der Stil ist entscheidend: Die Chemie zwischen Yogalehrer bzw. -lehrerin und Dir muss stimmen, wie in Beziehungen außerhalb des Yogastudios auch.

Von sanft bis fordernd

Dynamisch, schweißtreibend, statisch, voller Ruhe: Yoga hat viele Gesichter. Was sie alle vereint: Jeder Stil fordert Geist und Körper heraus, ist intensiv und sorgt für Freiheit im Kopf, Ausgeglichenheit und ein gutes Körpergefühl.


Die sieben wichtigsten Yogastile im Überblick


1. Hatha-Yoga

Hatha-Yoga ist der Klassiker unter den Yoga-Arten. Der Begriff leitet sich aus dem Sanskrit ab: ha bedeutet „Sonne, Kraft“ und tha bedeutet „Mond, Stille“ und erklärt somit auch ein wenig, wie Hatha-Yoga ist, nämlich eine ruhige Form, die Körper und Geist in den Mittelpunkt rückt, die Kraft gibt und uns zugleich zur Ruhe kommen lässt. Die Kombination aus Haltungen (Asanas), sanften Bewegungsabläufen, Atemübungen (Pranayama) und Meditation fördert die Flexibilität, die Geduld und das Gleichgewicht und stärkt das Bewusstsein für den eigenen Körper.

Für wen ist es geeignet? Für alle, die Yoga zum ersten Mal ausprobieren.


2. Vinyasa-Yoga

„Meditation in Bewegung“ wird dieser Yogastil genannt und ist perfekt, wenn Du mehr Bewegung und weniger Meditation und Atemübungen bevorzugst. Beides ist zwar auch Teil dieses Yogastils, aber auf ein Minimum reduziert. Die Besonderheit: die fließende Verbindung von Atem und Bewegung. Vinyasa-Yoga besteht nicht nur aus einzelnen Asanas, sondern die Bewegungen gehen harmonisch ineinander über.

Für wen ist es geeignet? Für alle, die gerne dynamisch und kraftvoll üben. Da man dabei konstant in Bewegung ist und sich auf die Abfolge und den Atem konzentrieren muss, ist Vinyasa sehr gut, um den Kopf freizubekommen.


3. Jivamukti-Yoga

Wie Vinyasa- ist auch Jivamukti-Yoga ein moderner, fließender und vor allem schweißtreibender Yogastil, bei dem aber die Spiritualität und ein bewusster Lebensstil sehr viel Raum einnehmen – dafür muss man offen sein. Gegründet wurde Jivamukti Anfang der 1980er-Jahre in New York City von den Musikern Sharon Gannon und David Life. Künstler wie Sting oder Madonna waren schnell begeisterte Fans. Der dynamische Yogastil, der aus Vinyasa-Yoga-Sequenzen besteht und fast an eine Choreografie erinnert, wird von unterschiedlicher Musik begleitet und besteht aus den folgenden fünf Elementen, die alle meist in einer 90-minütigen Session fließend ineinander übergehen:

  • ahimsa: Gewaltlosigkeit, ethischer Veganismus
  • bhakti: Anerkennung des Göttlichen, Selbstverwirklichung, Hingabe, auch Singen
  • nadam: das Zuhören; jede Übung wird von Musik aus verschiedenen Genres begleitet
  • shastra: die Schriften der Yogis
  • dhyana: Meditation zu Beginn und am Ende der Stunde zur Beruhigung von Atmung und Geist

Ebenso zentraler Bestandteil: Ujjayi, der siegreiche Atem. Er dient dazu, Deinen Atem und damit Deine Gedanken zu kontrollieren und Yoga bewusster zu üben. Wie die Ujjyayi-Atmung funktioniert, lernst Du in den Basic Classes (so heißen die Einsteigerkurse im Jivamukti-Yoga), aber auch online findest Du zahlreiche Anleitungsvideos.

Für wen ist es geeignet? Aufgrund der dynamischen Bewegungsabläufe und weil auch viele gebeugte und Kopf-über-Haltungen praktiziert werden, solltest Du Grundkenntnisse im Yoga haben. In den Basic Classes werden die Asanas und Abfolgen, die Atmung und Mantras für Einsteiger erklärt.


4. Ashtanga-Yoga

Die Königsdisziplin besteht aus sechs Serien mit jeweils einer festgelegten Anzahl an Asanas, wobei die erste Serie (41 Asanas!) am häufigsten praktiziert wird. Die Abfolge der Asanas bleibt in jeder Serie unverändert, jede Position wird fünf Atemzüge lang gehalten, die Positionen gehen wie beim Vinyasa-Yoga fließend ineinander über. Im Hintergrund läuft keine Musik, die Abfolge ist schnell und schweißtreibend mit vielen Sprüngen.

Für wen ist es geeignet? Ashtanga gilt als der schwierigste Yogastil, der nur unter Anleitung gemacht werden sollte. Für Yoga-Einsteiger ist Ashtanga weniger geeignet, da es selbst für Könner herausfordernd ist.


5. Kundalini-Yoga

Kundalini ist wohl die spirituellste Yogaform, das Yoga der Energie und des Bewusstseins (Kundalini-Energie) und eng verbunden mit der Tantra-Lehre (eine Strömung der indischen Philosophie). Das Wort „Kundalini“ kann mit „Schlangenkraft“ übersetzt werden: Die Kundalini-Energie wird als schlafende Schlange dargestellt, die sich am unteren Ende der Wirbelsäule befindet. Durch die Techniken, die man im Kundalini-Yoga lernt, ebenso wie durch Reinigungsübungen (sogenannte Kriyas) soll diese Energie erweckt werden und durch die Chakren (Energiezentren im Körper) nach oben fließen – bis zur Erleuchtung. Jede Yoga-Einheit bildet ein Thema ab, zum Beispiel Stress. Mantras und Gebete spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.

Für wen ist es geeignet? Für alle, die zur Ruhe kommen wollen, die Spiritualität gegenüber offen sind und die mehr Achtsamkeit in ihr Leben bringen möchten. Kundalini ist kein Fitnesstraining, sondern eine meditative Form des Yoga.


6. Iyengar-Yoga

Benannt nach seinem Erfinder B. K. S. Iyengar ähnelt dieser Yogastil dem Hatha-Yoga. Im Vordergrund stehen Körperbewegungen (stehende, streckende, entspannende und drehende Asanas), die oft länger gehalten werden, sowie Atemtechniken. Wichtig hierbei: die exakte Ausführung der Übungen, durch die erst der meditative Effekt entsteht. Daher kommen bei dieser Yoga-Art auch vermehrt Yogablock, Yogagurt, Decken, Yogabolster, Meditationsbank, normale Stühle und sogar die Wand zum Einsatz, da die optimale Körperhaltung von zentraler Bedeutung ist – durch diese Hilfsmittel kannst Du Deinen Körper exakt ausrichten und nimmst dadurch die Asanas bewusster und intensiver wahr. Brauchst Du die Hilfsmittel nicht, ist es aber ebenso okay.

Für wen ist es geeignet? Iyengar-Yoga ist auch für Anfänger geeignet, da es ein ruhiges Yoga mit vielen Haltepositionen ist. Da viele Hilfsmittel zum Einsatz kommen können, ist der Einstieg in das Training unter professioneller Anleitung ratsam. Übrigens: Nur ausgebildete Yogalehrer mit Iyengar-Zertifikat dürfen sich Iyengar-Lehrer bzw.-Lehrerin nennen.


7. Yin-Yoga

Yin-Yoga ist ein eher passiver Yogastil, bei dem die Asanas drei bis sieben Minuten gehalten werden. Zwischen den einzelnen Asanas wird oft eine Liegeposition zur Entspannung integriert. Eine Yin-Yoga-Stunde besteht häufig aus Vorbeugen, leichten Rückbeugen, Hüftöffner und Drehhaltungen, die aber in der Regel ohne starke Muskelkraft ausgeführt werden. Der Fokus liegt auf den tieferen Schichten des Körpers: Muskeln, Bändern, Sehnen, Faszien. Loslassen, sich der Schwerkraft hingeben, sich in Achtsamkeit üben sind die Schwerpunkte. Häufig beginnt eine Stunde mit einer kurzen Meditation und endet mit dem Om-Mantra. Hilfsmittel können auch zum Einsatz kommen. Yin-Yoga hilft bei Verspannungen, aber auch bei Stress und Angstzuständen.

Für wen ist es geeignet? Für alle von jung bis alt, die zur Ruhe kommen möchten und einen Ausgleich zum hektischen Alltag suchen.


Kleines Yoga-Lexikon

  • Asana/Asanas: (das Wort kommt aus dem Sanskrit, eine altindische Sprache, die heute noch als Literatur- und Gelehrtensprache verwendet wird): wörtlich: Sitz, Matte. Körperhaltung(en), zum Beispiel der herabschauende Hund.
  • Chakra/Chakren: Sanskrit: wörtlich: Rad, Kreis. Nach der Lehre des Tantra gibt es sechs Chakren entlang der Wirbelsäule und das siebte Chakra am Scheitelpunkt des Kopfes. Durch die Chakren fließt die Kundalini-Energie.
  • Mantra: Sanskrit: mana (Geist), traya (befreien). Heilige Silben oder Wörter, die über längere Zeit rezitiert werden; der Atem fließt dabei gleichmäßig und die Gedanken werden unterbrochen, sodass man sich vollkommen entspannen kann. Das bekannteste Mantra ist das
  • Namasté: Sanksrit: namasté – von nam (verbeugen). Eine Grußformel, bei der beide Handinnenflächen in der Nähe des Herzens zusammengeführt, an die Brust gelegt und mit einer Verbeugung begleitet werden.
  • Om (auch Aum): siehe Mantra.
  • Prana: Lebenskraft, Lebensenergie.
  • Pranayama: Sanskrit: ayama (die Kontrolle, die Verlängerung des Atems), prana (universale Lebensenergie). Mithilfe des Pranayama wird die Lebenskraft zum Fließen gebracht.
  • Savasana/Shavasana: eine Position, bei der man auf dem Rücken liegt und vollkommen entspannen kann; meist zu Beginn und am Ende einer Yogastunde.
  • Ujjayi: Sanskrit: ujjayi (die Siegreiche). Atemtechnik mit Reibelaut, die Körper und Muskulatur mit Energie versorgt und den Organismus erwärmt. Mit geschlossenem Mund wird sehr langsam durch beide Nasenlöcher eingeatmet und ebenso wieder ausgeatmet. Gleichzeitig wird ein Reibelaut in der Kehle erzeugt.