Im Alter die Sehkraft und damit alles im Blick behalten

Das Sehen, einer unserer fünf Sinne, liefert uns rund 80 Prozent aller Informationen über die Umwelt, die wir im Gehirn verarbeiten.
Unsere Augen helfen uns dabei, Gefahren zu erkennen und machen unser Leben bunter, denn wir können rund 150 Farbtöne unterscheiden. Daher solltest Du Deine Augen „pflegen“ und dafür sorgen, Deine Sehkraft möglichst lange, möglichst gut zu erhalten – egal, ob Du im Büro vor dem Bildschirm arbeitest, als Staplerfahrer im Markt oder Lager, als Lkw-Fahrerin und Vertriebler im Außendienst.

Die Sehkraft erhalten – auch im Alter

41,1 Mio. Erwachsene (Menschen ab 16 Jahren) tragen in Deutschland eine Brille, davon 23,4 Mio. ständig, 17,7 Mio. gelegentlich. Das sind 66,6 Prozent Brillenträger.

(Quelle: Umfrage, Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Kuratoriums Gutes Sehen (KGS), 2019).

 

Ja, ja, das Alter …

Dass wir alle früher oder später eine Brille brauchen, ist unumgänglich. Meist ab etwa Mitte 40 schleicht sie sich heran, die Alters(weit)sichtigkeit (Presbyopie): Das nähere Sichtfeld wird unscharf und unsere Arme werden immer länger. Für das scharfe Sehen ist die Linse verantwortlich, die (wenn wir noch jünger sind) flexibel ist und sich wölben kann. Die Ziliarmuskeln ziehen an der Linse, das Licht im Auge wird dadurch unterschiedlich stark gebrochen und das Auge sieht nah oder fern scharf. Mit dem Alter nimmt die Flexibilität der Linse und auch der Muskeln ab und das Scharfstellen gelingt nicht mehr richtig gut.

 

Wie das Auge funktioniert

Pro Sekunde nehmen unsere Augen rund 10 Mio. Informationen auf und geben sie ans Gehirn weiter. Wie bei einer Kamera fällt Licht durch die einzelnen Elemente (Hornhaut, vordere Augenkammer, Pupille, Linse und Glaskörper) und wird von dort auf die Netzhaut (Retina) geleitet. Dort wird das Licht gebündelt, in Nervenimpulse umgewandelt, über den Sehnerv zum Gehirn geleitet und Bilder entstehen. Die Kombination der Bilder beider Augen lässt uns räumlich sehen.

 

Gutes tun und besser sehen

Dass man die Augen mit Training verbessern kann, liest man immer wieder, schließlich bewegen sechs Augenmuskeln unsere Augen in fast alle Richtungen: vier gerade und zwei schräge. Beweise, dass sich durch Training etwa eine Hornhautverkrümmung wegtrainieren lasse, gibt es jedoch keine. Was den Augen aber wirklich helfen kann: ein gesunder Lebensstil.

„Regelmäßige Bewegung, eine abwechslungsreiche, vitaminreiche Ernährung und der Verzicht auf Nikotin gehören dazu. So enthalten zum Beispiel Karotten eine Vorstufe des Vitamin A, das für die Netzhaut des Auges wichtig ist“, erklärt Augenarzt Ludger Wollring der Apotheken Umschau.

(Quelle: www.apotheken-umschau.de/Augen/Augentraining-gegen-Fehlsichtigkeit-562203.html)

 

Entspannung

Unsere Augen sind ein Leben lang in Aktion, starren gebannt auf Bildschirme, in Fernseher, beim Autofahren auf die Straße. Klar, dass sie eines ganz dringend brauchen: Entspannung. Während wir schlafen, sind die Augen geschlossen und die Muskulatur entspannt sich. Doch auch Entspannungsübungen wie Yoga oder autogenes Training, ebenso wie Ausdauersport können den Augen Gutes tun und beispielsweise den Augendruck senken. Eine Studie im Journal of Glaucoma etwa konnte nachweisen, dass Glaukom-Patienten (grüner Star; eine Augenerkrankung, bei der der Sehnerv geschädigt ist und die ohne Behandlung zur Erblindung führen kann; Hauptrisiko ist ein erhöhter Augeninnendruck) nach einem dreiwöchigen Programm mit Achtsamkeitsmeditation deutliche Verbesserungen des Augeninnendrucks zeigten – und weniger Stresshormone hatten.

 

Ernährung

Ja, das Auge isst mit! Retinol (Vitamin A1) und Betacarotin (die Vorstufe von Vitamin A) sind wichtig für das Sehpurpur (Rhodosin), ohne dass die Stäbchen in der Netzhaut, die das Hell-Dunkel-Sehen steuern, nicht arbeiten können. Betacarotin steckt vor allem in Karotten, roter Paprika, Feldsalat, Spinat, Kürbis, Grünkohl, in Aprikosen oder Eiern. Ebenso wichtig für unsere Augen sind aber Lutein und Zeaxanthin, gelbe Pflanzenfarbstoffe, die sich in der Makula (Netzhautmitte) ansammeln und wie eine natürliche Sonnenbrille funktionieren. Außerdem fangen sie die schädlichen freien Radikale ab, die sich im Körper und auch in den Augen während Stoffwechselprozessen und durch UV-Strahlung bilden und die Sehnerven schädigen können. Lutein und Zeaxanthin (z. B. in Grünkohl, Blattsalat, Brokkoli Spinat, grünen Bohnen) schützen damit die Augen vor einer altersbedingten Makuladegeneration (AMD), bei der die Betroffenen immer unschärfer sehen und letztlich erblinden. Auch Vitamin C und E sind wertvolle Radikalefänger und ebenso wertvoll für die Sehkraft. Vitamin C steckt etwa in Brokkoli, Grünkohl, Rosenkohl, Petersilie oder Schwarzen Johannisbeeren und Orangen; Vitamin E in Haselnüssen, Weizenkeimen, pflanzlichen Ölen (z. B. Soja- oder Rapsöl), Spargel und Spinat. Omega-3-Fettsäuren (z. B. in Leinöl, Leinsamen, Walnüssen uns Walnussöl, Thunfisch, Lachs, Hering), und dabei vor allem die mehrfach ungesättigte Fettsäure Docosahexaensäure, tragen ebenfalls ihren Teil dazu bei, die Augen vor einer AMD zu bewahren. Sie sind Bausteine der Netzhaut und der Gehirnzellen, verantwortlich für die Elastizität der Zellmembranen und die Versorgung von Zellen.

 

Besser nicht!

Ab und zu ein Glas Wein oder Bier ist okay, aber mehr sollte es besser nicht sein. Es gibt Studien, die darauf hindeuten, dass ein Zuviel an Alkohol die Zusammensetzung des Tränenfilms verändert und damit trockene Augen mit allen unangenehmen Nebeneffekten (brennen, tränen, jucken, rote Augen) begünstigt. Und dass Rauchen nicht nur unserer Gesundheit im Allgemeinen, sondern auch den Augen schadet, ist wohl ebenso klar. Die Schadstoffe begünstigen eine AMD, den grauen Star (Katarakt) und hemmen die Durchblutung in den Augen, was die Sehfähigkeit verschlechtert. Eine Studie aus dem Jahr 2019 der US-amerikanischen Rutgers University in New Jersey fand zudem heraus, dass Menschen, die mehr als 20 Zigaretten pro Tag rauchen, weniger Farben unterscheiden können als Nichtraucher.

 

Raus ins Grüne!

Dass Spazierengehen, Radfahren, Gartenarbeit im Freien die Stimmung heben, ist unumstritten. Der Blick in die Weite, der Duft von Moos, von frisch gemähten Wiesen, feuchter Erde, Vogelgezwitscher – all das sorgt dafür, dass wir uns entspannen und damit auch unsere Auge zur Ruhe kommen und den Blick mal schweifen lassen können. Die Farbe Grün beruhigt nachweislich. Sogenannte Augenspaziergänge (angeboten z. B. von Volkshochschulen) sollen das Sehen und auch andere Sinne anregen. Die „grüne Luft“, heißt es, erfrische die Augen, Achtsamkeitsübungen während des Gehens sorgen für eine intensive Wahrnehmung der Umgebung und für Entspannung.

Dran denken: Sonnenbrille nicht vergessen! Was für unsere Haut gilt (ausreichend Sonnenschutz, mehr Schatten als Sonne) gilt gleichermaßen für unsere Augen. Zwar haben wir neben einer äußeren (unbedingt auf die Kennzeichnung „UV 400“ oder „100 % UV-Schutz“ achten) auch eine innere Sonnenbrille durch die Radikalefänger Lutein und Zeaxanthin (siehe „Ernährung“), doch deren Schutz reicht bei Weitem nicht aus. Zudem lässt die Konzentration der beiden Carotinoide ab dem 40. Lebensjahr nach, was wiederum eine AMD begünstigen kann.

 

Früherkennung

Und zu guter Letzt: Regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Augenarzt bzw. der Augenärztin etwa ab dem 40. Lebensjahr sind wichtig – auch dann, wenn Du keine Beschwerden hast. Denn viele Augenerkrankungen lassen sich gut behandelt, wenn man sie frühzeitig entdeckt.

Dass nicht nur unser Körper, sondern auch unsere Augen altern, lässt sich nicht verhindern. Aber Du kannst die Risikofaktoren, die Deine Augen schneller altern lassen, ganz gut vermeiden: mit gesunder Ernährung, ausreichend Schlaf und Erholung, weniger Bildschirmarbeit, weniger Auf-den-Bildschirm- oder Aufs-Smartphone-Starren, mit mehr Natur und regelmäßigen Augenarztbesuchen. Es gibt einfach viel zu viel Schönes zu sehen, daher lohnt es sich, die Sehkraft so lange wie möglich zu erhalten.