Frieren am Schreibtisch

Himmel, ist das kalt hier! Was gegen Frieren am Schreibtisch hilft
 

Wer den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt, ob im Büro oder im Homeoffice, kennt es nur zu gut: Es ist Winter, draußen tanzen die Schneeflocken vorm Fenster, die Heizung ist voll aufgedreht, die dicken Socken sind schon längst an den Füßen und die Kälte kriecht trotzdem an einem hoch. Im Büro vor Ort ist man vielleicht noch ab und zu in Bewegung, läuft zum Drucker oder in eine andere Abteilung, aber zu Hause hat die Kälte ein leichteres Spiel mit uns … Daheim müssen wir die Temperaturen zwar nicht an die Arbeitsstättenverordnung anpassen – bei leichten Arbeiten im Sitzen sind (nur) 20 Grad Raumtemperatur vorgeschrieben –, aber die Heizung immer höher zu drehen, möglicherweise gar Handschuhe (ohne Fingerspitzen, denn sonst wird’s mit dem Tippen schwierig) und Mütze bereitzuhalten, ist ja auch keine Lösung.
 

Und nun?
 

Langsam eingewöhnen

Die Munich Hot Springs etwa, eine Gruppe von Freunden, treffen sich bei vier Grad Wassertemperatur im Eisbach im Englischen Garten, immerhin (meistens) mit Badehose, Bikini und einer Wollmütze bekleidet. Die Hamburger Eisbademeisters machen es sich regelmäßig im Winter in Hamburgs Elbe „gemütlich“ und die Berliner Seehunde treffen sich im Freibad Orankesee zum gemeinsamen Frieren. So kann man sich natürlich auch an die eisigen Wintertemperaturen gewöhnen, aber ganz ohne ist das Eisbaden natürlich nicht! Man sollte das niemals allein machen und schon gar nicht untrainiert und ohne professionelle Anleitung. Aber es gibt ja auch deutlich sanftere Methoden, um sich an die Kälte zu gewöhnen. Wechselduschen, regelmäßige Spaziergänge (in der Mittagspause) oder draußen joggen helfen dem Körper, sich an die Minusgrade zu gewöhnen.

Aber da das mit der Gewöhnung eben oft ein bisschen dauert, kommen hier mal ein paar Anti-Frostbeulen-Tipps für alle Schreibtischtäterinnen und -täter.
 

1. Zwiebel-Look to go

Mal kein Homeoffice-Tag und Du musst Dich morgens auf den eisigen Weg zur Arbeit machen? Dann kommt er ins Spiel, der berühmte Zwiebel-Look, also mehrere Schichten Kleidung übereinander wie Fleecepulli über Longsleeve über T-Shirt über Unterhemd, dazu eine Schnee- oder Thermohose über Jeans (und Strumpf- oder langer Unterhose) und lose Thermosohlen in den Schuhen.

Zum Anbehalten und auch noch aktuell angesagt: Puls- oder Armwärmer wärmen unsere Handgelenke, die Blutgefäße bleiben dadurch erweitert und die Hände schön warm.
 

2. Wärmende Öle

Ätherische Öle duften nicht nur fein und sorgen für gute Laune (etwa Orangen- oder Grapefruitöl). Ein paar dieser Essenzen sorgen ebenfalls für eine bessere Durchblutung und sind – dünn auf die Haut aufgetragen – ein gutes Mittel gegen Frösteln, zum Beispiel Ingwer-, Zimt-, Rosmarin- oder Nelkenöl.
 

3. Denk Dich warm!

Okay, das klingt ein bisschen eigen, aber wer öfter meditiert, weiß, dass man dadurch ruhiger atmet, konzentrierter wird und auch entspannter. Wer sich also regelmäßig (!) auf ein Körperteil fokussiert und sich vorstellt, wie es warm wird und wie sich diese Wärme langsam über den ganzen Körper ausbreitet, kann der Kälte gedanklich ein Schnippchen schlagen. Aber das dauert natürlich. Daher weiterlesen!

Schon gewusst?

Der niederländische Extremsportler Wim Hof ist bekannt für seine sportlichen Höchstleistungen bei Extremtemperaturen (ein Marathon in der Wüste Namib, ohne einen Tropfen Wasser zu trinken, oder ein knapp zweistündiges Eisbad, ohne dass sich seine Körperkerntemperatur veränderte). Dafür entwickelte „The Iceman“ seine ganz eigene Atemtechnik, mit der er sein autonomes Nervensystem beeinflusst und die – sehr vereinfacht dargestellt – aus Einatmen, Ausatmen, Luftanhalten besteht. Der Herzschlag erhöht sich, die Blutgefäße ziehen sich zusammen, der Blutdruck steigt und die Körpertemperatur erhöht sich.
 

4. Bewegtes Sitzen

Bloß nicht stundenlang bewegungslos auf dem Stuhl (vor allem nicht zu Hause auf dem wenig ergonomischen Küchenstuhl) verharren, sonst kann das Blut nicht mehr richtig fließen und Hände und Füße werden kalt. Immer wieder die Position ändern, sich nach rechts und links bewegen – oder aufstehen und eine kurze Trainingseinheit einbauen. Siehe nächsten Tipp.
 

 5. Let’s move

Mit ein paar wenigen und einfachen Übungen kommt Dein Kreislauf wieder in Schwung und Du förderst Deine Durchblutung – und dann wird Dir auch wärmer.

Seitbeuge

Stell Dich hüftbreit hin, Dein Blick geht geradeaus, die Arme hängen locker nach unten, Deine Schultern sind entspannt. Hebe Deinen linken Arm über den Kopf zur rechten Seite, dehne Dich und atme dabei aus. Senke den Arm wieder ab und wiederhole die Übung mit dem anderen Arm.

Dauer: 1–3 Minuten

Vorbeuge

Stell Dich hüftbreit auf, Deine Arme hängen locker an der Seite, Deine Schultern sind entspannt. Mit der Ausatmung beugst Du Dich langsam nach vorn unten, die Beine bleiben gestreckt. Wenn Du magst, kannst Du die Dehnung verstärken, indem Du mit dem Oberkörper leicht auf und ab wippst.

Dauer: 1–3 Minuten

Strecken

Stell Dich aufrecht hin und strecke Deine Arme und die Hände mit der Einatmung nach oben über den Kopf, während Du Deine Knie beugst. Dein Rücken muss dabei nicht gerade sein, sondern darf der natürlichen Kurve der Wirbelsäule folgen. Diese Hocke ein paar Atemzüge halten und dann langsam Wirbel für Wirbel aufrichten.

Dauer: 3–5 Wiederholungen

Kraulen

Leg beide Hände auf Deine Schultern und beginne nun gegengleich mit den Ellenbogen große Kreise zu ziehen, ein Ellenbogen bewegt sich nach vorn, der andere nach hinten. Nach ein paar Kreisen wechselst Du die Richtung. Brustkorb und Wirbelsäule dürfen sich dabei sanft mitbewegen.

Dauer: 1–3 Minuten
 

6. Fenster auf!

Ja, richtig gelesen! Es soll natürlich nicht gleich das ganze Büro/Zimmer auskühlen, aber Frischluft und Sauerstoff sind wichtig, auch um einen klaren Kopf zu behalten. Und sobald das Fenster wieder geschlossen ist, wirst Du die angenehme Wärme im Raum wieder bewusst(er) wahrnehmen.
 

7. Heiße Getränke

Von innen heizen winterliche Gewürztees (z. B. indischer Chai aus dem Teeladen oder Supermarkt) mit oder ohne Milch/Pflanzendrink, selbst gemachtes Ingwerwasser (frischen Ingwer gut waschen, in Scheiben schneiden, mit gekochtem Wasser übergießen und nach Geschmack mit etwas Honig süßen) oder Brühe auf.
 

Und für den absoluten Notfall kommt die gute alte Wärmflasche oder ein beheizter Fußsack zum Einsatz – oder eines der vielen Gadgets wie ein beheizbares Mousepad aus Plüsch, ein USB-Tassenwärmer oder, ja, auch das gibt es, ein beheizbares Unterhemd. Das ist alles sicher nicht unbedingt notwendig, aber bringt doch jede Menge Spaß. Und dabei wird es einem eben auch warm ums Herz.