Die häufigsten Sportverletzungen und Erste Hilfe

Wer oft und gerne Sport treibt, kommt meist nicht ohne Blessuren davon. Viele davon kann man selbst behandeln. Wie, das erklären wir hier.
 

Prellung. Zerrung und Co.

Wer Sport treibt, tut etwas für seine Gesundheit. Aber klar, so ganz ohne Blessuren kommen die wenigsten von uns davon. Rund zwei Millionen Menschen verletzen sich jährlich beim Sport. Und das liegt meist nicht am gegnerischen Unfair Play, sondern oft an uns selbst. Sportmediziner unterscheiden zwischen traumatischen Verletzungen, also Verletzungen, die durch einen Unfall passieren (z. B. Bänderriss, Kreuzbandriss, Meniskusriss, Prellungen, Zerrungen, Knochenbrüche), und Überlastungsverletzungen, die sich schleichend entwickeln, zum Beispiel weil wir zu viel trainieren oder die Bewegungsabläufe über eine längere Zeit falsch ausführen, dazu zählen der Tennisarm, das Läuferknie oder die Achillessehnenentzündung. Viele Sportverletzungen kannst Du selbst behandeln, mit manchen Verletzungen solltest Du allerdings zu einem Arzt gehen, vor allem dann, wenn sich die Beschwerden verschlimmern oder wenn sie länger als eine Woche anhalten.

Ein paar Tipps, um Verletzungen vorzubeugen

  • Besorge Dir die richtige Ausrüstung, vor allem die richtigen Schuhe sind hier von Bedeutung. Beim Outdoor-Sport ist eine Schutzausrüstung (Fahrradhelm, Schoner …) unabdingbar.
  • Treib nur Sport, wenn Du Dich wirklich fit fühlst. Eine Erkältung, Kopfschmerzen, Knieschmerzen sind keine guten Voraussetzungen. Nur über den inneren Schweinehund darfst Du Dich getrost hinwegsetzen!
  • Lerne die richtige Technik – das gilt für jede Sportart. Besser ist es immer, sich erst einmal die korrekten Bewegungsabläufe (selbst bei langsamen Bewegungen wie beim Yoga oder Qigong) von einem erfahrenen Trainer oder einer Trainerin zeigen zu lassen.
  • Überschätze Dich nicht! Gerade in Group-Fitness-Stunden schielt man oft auf die anderen und will mithalten. Lieber eine Übung langsamer und weniger oft wiederholen, als um jeden Preis die Geschwindigkeit zu halten und die Übung dafür schlampig auszuführen.
  • Wärme Dich richtig auf! Je anspruchsvoller und komplexer das Training ist, desto mehr Zeit solltest Du Dir fürs Warm-up nehmen.
  • Gönne Dir und Deinen Muskeln nach den Trainingseinheiten ausreichend Pausen!
     

Die häufigsten Sportverletzungen

Die Liste ist lang: Prellungen und Verstauchungen liegen auf den ersten Plätzen, dicht gefolgt von Knochenbrüchen, Verrenkungen, Muskel-, Sehnen- und Bänderverletzungen. Im Folgenden liest Du, wie Du die am häufigsten vorkommenden Sportverletzungen erkennst und was Du als Erstes tun solltest.
 

Die kleine Sportapotheke

Inspizier doch auch mal Deine Hausapotheke und fülle sie „sportgerecht“ auf. Folgendes sollte griffbereit sein:

  • Verschieden große Pflaster
  • Verbandmaterial
  • Einmalhandschuhe
  • Antiseptisches Wundspray
  • Kältespray, Coolpacks (im Gefrierfach lagern)
  • Sportsalbe (abschwellend, schmerzlindernd, entzündungshemmend)

Liebst Du Mountainbike- oder Klettertouren, lange Läufe oder Wanderungen, dann ist ein Erste-Hilfe-Set zum Mitnehmen eine gute Investition. Solche Sets sind im Sportfachhandel erhältlich und Du kannst sie meist ganz einfach am Gürtel befestigen. Darin enthalten sind wichtige Utensilien wie etwa eine Rettungsdecke, Wundkompressen, Mullbinden und Einmalhandschuhe.
 

Die PECH-Regel

Die sogenannte PECH-Regel kannst Du bei fast allen Sportverletzungen anwenden, etwa bei Blutergüssen, bei Bänderdehnungen und -rissen, bei Muskelzerrungen, Prellungen und Verstauchungen.

  • Pause: Unmittelbar nach der Verletzung solltest Du das verletzte Körperteil ruhigstellen.
  • Eis: Kühle das betroffene Körperteil mit einem Kühlpad (nicht direkt auf die Haut legen, sondern z. B. in ein Küchentuch wickeln). 15 bis 20 Minuten kühlen, nach ein paar Stunden wiederholen.
  • Compression: Mit einer Bandage oder einem Kompressionsverband (Achtung: nicht zu eng anlegen!) kannst Du Schwellungen oder Blutergüsse vermeiden.
  • Hochlagern: Lagere das verletzte Körperteil hoch, damit die Blutzufuhr verringert wird und Gewebeflüssigkeit besser abfließen kann. So kannst Du Schmerzen und Schwellungen reduzieren.
     

Prellung

Ursache: Stoß, Aufprall, Schlag, zum Beispiel durch einen Sturz vom Rad.

Symptome: Die betroffene Stelle schmerzt, schwillt an und oft entsteht ein Bluterguss. Bei einer Rippenprellung zum Beispiel hast Du Schmerzen, wenn Du atmest oder hustest.

Erste Hilfe: Bei Prellungen an Kopf, Bauch und Auge besser zu einem Arzt gehen, bei allen anderen Prellungen gilt: kühlen (PECH-Regel) und eine Sportsalbe (etwa mit Arnika) auftragen. Meist ist die Prellung nach wenigen Tagen verheilt.
 

Verstauchung

Ursache: Ein Gelenk (meist Knie-, Hand-, Finger-, Sprunggelenk) wurde überdehnt oder verdreht. Auch wenn man umknickt, spricht man von einer Verstauchung („Knöchel verstaucht“).

Symptome: Schmerzen, Bewegungseinschränkung, oft ein Bluterguss. Ein Arzt wird bei starken Schmerzen zudem untersuchen, ob weitere Strukturen, zum Beispiel Bänder oder Sehnen, verletzt oder Knochen gebrochen sind.

Erste Hilfe: Kühlen und schonen (PECH-Regel), dann verschwindet eine Verstauchung meist innerhalb weniger Wochen.


Verrenkung

Ursache: Ein Knochen springt ruckartig aus dem Gelenk (durch einen Sturz oder Krafteinwirkung von außen).

Symptome: starke Schmerzen, Bluterguss, Bewegungseinschränkung, bis das Gelenk von einem Fachmann wieder eingerenkt wird.

Erste Hilfe: ruhigstellen und sofort kühlen (PECH-Regel). Und dann: ab zum Arzt!
 

Bänderriss

Bänder und Sehnen bestehen aus kollagenen Fasern, wenigen elastischen Fasern und Bindegewebszellen. Knochen, Muskeln und Gewebe werden mit Bändern und Sehnen verbunden und so richtig positioniert.

Ursache: Klassisches Umknicken ist häufig die Hauptursache für einen vollständigen oder teilweisen Bänderriss (häufig an Knöchel oder Knie), zum Beispiel wenn man stolpert. Meist reißt das Außenband.

Symptome: starke, stechende Schmerzen, Du kannst oft nicht mehr auftreten oder hinkst, das Gelenk schwillt an, häufig bildet sich ein Bluterguss.

Erste Hilfe: PECH-Regel! Danach muss ein Arzt prüfen, welches Band (ein-)gerissen ist und was zu tun ist. Oft reichen eine Orthese (stabilisierende Schiene) und Physiotherapie.
 

Zerrung

Ursache: Wird der Muskel durch eine plötzliche Belastung überdehnt, kommt es zu einer Zerrung. Trainierst Du weiter, läufst Du Gefahr, dass es zu einem Muskelfaserriss kommt.

Symptome: ziehende, krampfartige Schmerzen; Dehnen verstärkt das Ganze.

Erste Hilfe: Eispackungen! Danach sanfte Massagen, vorsichtiges Dehnen, manchmal auch Wärme. Das musst Du ausprobieren. Nach ein paar Tagen verschwinden die Schmerzen meist wieder, dann solltest Du den Muskel – vorsichtig! – dehnen.
 

Kreuzbandriss

Die Kreuzbänder (vorderes und hinteres) befinden sich in den Knien und stabilisieren das Kniegelenk.

Ursache: Verdrehst Du das Knie oder beugst Du es übermäßig (z. B. bei einer abrupten Bremsbewegung mit einer gleichzeitigen Drehung), reißt (meist) das vordere Kreuzband. Das hintere Kreuzband reißt vor allem bei Gewalteinwirkung von außen (etwa durch einen Tritt in die Kniekehle).

Symptome: Das Knie schwillt an, oft entsteht ein Bluterguss und Du kannst nicht mehr gehen.

Erste Hilfe: PECH-Regel – und dann steht leider der Arztbesuch an! Manchmal ist eine Operation erforderlich, doch oft hilft die konservative Behandlung: eine stabilisierende Schiene und Physiotherapie. Aber so oder so, die Heilung kann dauern: neun bis zwölf Monate.
 

Meniskusriss

Der Meniskus ist ein halbmondförmiger Knorpel im Kniegelenk. Es gibt einen Innenmeniskus und einen Außenmeniskus. Die Menisken dienen als Stoßdämpfer und federn Bewegungen des Knies ab. Mit dem Alter verschleißen Menisken leider oft.

Ursache: Durch einen Sturz, verbunden mit einer Drehbewegung, oder durch abruptes Stoppen, bei dem das Knie verdreht wird, kann der Meniskus reißen.

Symptome: Je nachdem, welcher Meniskus geschädigt ist, schmerzt das Knie an der Außen- oder Innenseite.

Erste Hilfe: PECH-Regel – alle zwei bis vier Stunden für etwa 15 Minuten kühlen. Der Arzt entscheidet, ob das Knie konservativ behandelt werden kann oder ob eine OP notwendig ist.
 

Achillessehnenentzündung

Die Achillessehne ist die stärkste Sehne des menschlichen Körpers und verbindet den Fersenknochen mit der Wadenmuskulatur.

Ursache: Eine Entzündung entwickelt sich bei Überlastung schleichend. Anfangs schmerzt die Sehne zwischen Ferse und Wadenmuskel nur nach dem Sport, dann dauerhaft. Ignorierst Du den Reizzustand und trainierst weiter, kann die Entzündung chronisch werden. Bei vorgeschädigten Sehnen (nach längerer Reizung oder Entzündung) kann die Sehne bei plötzlicher starker Belastung auch (ein-)reißen. Dann ist der Arztbesuch unumgänglich. Er entscheidet je nach Ausprägung, ob eine OP notwendig ist oder eine Ruhigstellung des Fußes („Spitzfußstellung“ mit erhöhter Ferse), damit die Sehnenenden wieder zusammenwachsen können.

Erste Hilfe: Sportpause! Kühlen (PECH-Regel), Schmerzmittel und eine Schmerzsalbe können zur Heilung beitragen.
 

Läuferknie

Das Läuferknie wird auch Iliotibialband-Syndrom (ITBS) genannt; es ist eine Reizung des Bandes, das vom Oberschenkel über die Knieaußenseite zum Unterschenkel verläuft.

Ursache: eine Überlastung bzw. Fehlbelastung.

Symptome: stechende Schmerzen an der Knieaußenseite.

Erste Hilfe: kühlen, eine Sportpause und eine entzündungshemmende Salbe. Nach ein paar Wochen sind die Schmerzen meist weg.
 

Tennisarm/Tennisellenbogen

Ursache: Sehnenüberlastung.

Symptome: Druckschmerz an der Außenseite des Ellenbogens, der in Ober- und Unterarm sowie in die Hand ausstrahlen kann. Du kannst schon Schmerzen haben, wenn Du nur eine Flasche aufschrauben oder eine Tasse anheben möchtest.

Erste Hilfe: schonen, kühlen, (sanft) dehnen, und das eine ganze Weile lang.


Impingement-Syndrom der Schulter

Ursache: eine Überlastungsverletzung der Schulter, bei der auch anatomische Besonderheiten der Grund sein können. Der Oberarm wird zu sehr in das Schultergelenk gezogen, sodass Muskeln, Sehnen und der Schleimbeutel in der Schulter gegen den Knochensporn des Schulterdachs gedrückt werden.

Symptome: Schulterschmerzen bei bestimmten Bewegungen und Belastungen (z. B. beim seitlichen Anheben des Armes), Kraftverlust, Bewegungseinschränkungen.

Erste Hilfe: Schmerzmittel und Physiotherapie. Liegt eine anatomische Ursache vor, kann der Arzt sagen, ob eine Operation sinnvoll ist.
 

Auch wenn sich Sportverletzungen trotz Vorsichtsmaßnahmen meist nicht vermeiden lassen, „sind sich Sportmediziner dennoch darin einig, dass der gesundheitliche Nutzen des Sports die Risiken um ein Vielfaches überwiegt“. (Deutsches Grünes Kreuz e. V.).

Wärmst Du Dich vor dem Training gut auf, nimmst Du Dir ausreichend Zeit für das Cool-down, überschätzt Du Dich nicht und hörst Du auf die Signale Deines Körpers, steht Deinem Lieblingssport nichts im Weg. Und die Belohnung ist garantiert: Bewegung macht glücklich, stärkt Dein Immunsystem, bringt Dein Herz-Kreislauf-System in Schwung und verbrennt ganz nebenbei noch ein paar Kalorien.